Schräg- oder Bogenverzug

Wenn Sie öfters mit Stoff und Digitaldruck arbeiten, es ist möglich, dass Ihnen diese Erscheinung bereits begegnet ist, nämlich der Bogen- oder Schrägverzug, im Englischen waving oder smiling fabric. Wenn Sie den Stoff von der Rolle wickeln, scheint er Ihnen zuzulachen. In Ihrem auf Stoff gedruckten Design bemerken Sie eine Art Welle oder Bogen, was vor allem bei horizontalen Linien stärker auffällt. Feine und delikate Materialien sowie dünne Stoffe mit Twillbindung sind dafür am empfindlichsten. Doch was ist der Grund dafür? Der Schräg- oder Bogenverzug kann zwei Ursachen haben: Einerseits ist es möglich, dass der Bogen oder die Welle während des Druckvorgangs entsteht, andererseits kann dies beim Finishing des Stoffs auftreten.

Produktionsverfahren
Beim Druck des Stoffes mit Ihrem eigenen Entwurf werden einige Verfahrensschritte durchlaufen. Nachdem der Stoff bedruckt wurde, kommt er in den Dämpfer. In dieser Maschine wird die Tinte bei hoher Temperatur mit Dampf im Stoff fixiert. Die Fasern öffnen sich bei hoher Temperatur, dabei dringt die Tinte in die Fasern ein. Im ausgekühlten Stoff befinden sich 90 % der Tinte in den Fasern, 10 % noch auf dem Stoff. Um diese verbleibende Tinte aus dem Stoff zu entfernen, muss diese gewaschen werden. Dies erfolgt mit einem Spezialwaschmittel, der die Tinte im Wasser an sich bindet. Nach dem Waschen kommen die nassen Stoffe ins Finishing-Verfahren. Hier werden sie auf eine große Maschine aufgespannt und getrocknet. Weil der Stoff nass ist, sind die Fasern des Stoffs sehr beweglich. Wenn an einem bestimmten Punkt etwas mehr Spannung auf den Stoff ausgeübt wird, verzieht sich der Druck in Richtung des Spannungspunktes. Bei dünnen, delikaten Stoffen ist das die Ursache für die Bildung des Verzugs. Im getrockneten Stoff gehört dies zum Endergebnis.

Diese dünnen, delikaten Stoffe (mit Twillbindung) fallen sehr weich und fühlen sich auf der Haut angenehm an. Dadurch eignen sie sich ausgezeichnet für verschiedene Anwendungen, zum Beispiel für Krawatten, Schals, Einstecktücher usw. Aber gerade dieselben Eigenschaften machen den Stoff in Bezug auf viele Aspekte auch sehr beweglich, wenn sie bedruckt werden. Obwohl der Stoff mit Sorgfalt eingelegt wird, ist es durch die ununterbrochene Bewegung im Druckverfahren nicht immer möglich, im geraden Fadenlauf zu drucken. Auch das kann zu einem Bogen- oder Schrägverzug im Druck führen.

Dieser Bogen- und Schrägverzug gehört zum Produktionsverfahren. Innerhalb der Textilindustrie wird diese Erscheinung darum auch toleriert, wenn sich der Verzug - über die Gesamtbreite des Stoffes betrachtet - innerhalb einer Bandbreite von 4-5 % bewegt. Es ist je nach Stoffsorte und abhängig vom einzelnen Druckvorgang unterschiedlichn, wie viel Verzug dabei auftritt.



Wie kann man dieser Erscheinung am besten Rechnung tragen?
Weil eine Welle oder ein Bogen natürlich etwas unpraktisch ist, wenn die Maße Ihres Designs genau berechnet sind, empfehlen wir immer, in Ihr Design etwas Toleranz einzubauen. Etwaige Abweichungen können aufgefangen werden, indem Sie etwas mehr drucken lassen, als Sie benötigen. Damit können Sie die erforderlichen Maße aus dem Stoff immer herausholen. Gerade, horizontale Linien den Kanten entlang geben den Verzug am deutlichsten wieder, solche vermeiden Sie also am besten. Wenn Sie Schals herstellen möchten, könnten Sie rundum einen breiten Rand vorsehen.

Sollte Ihr gedruckter Stoff trotzdem etwas Bogenverzug enthalten, können Sie als Lösungsversuch den Stoff nochmals etwas anfeuchten, gerade ziehen und vorschriftsgemäß bügeln. Auf diese Weise machen Sie die Fasern beweglich und können diese wunschgemäß beeinflussen.

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